Der Analytiker und seine Projekte
Es ist eine Sache, etwas zu WISSEN,
jedoch eine ganz andere, es zu VERSTEHEN.

erforschen  •  analysieren  •  aufklären  •  beurteilen  •  beraten

 Bewußtsein versus Geist/Physik 

—» Dialoge über die Substanz Bewußtsein «—
Externe öffentliche Dialoge

Philosophen auf der Lauer (06.05.1999)

"Ein Raunen geht derzeit durch die Zirkel der Philosophen, zumindest bei jenen Denkern, die sich mit dem Problem des Bewußtseins befassen. Die emphatisch ausgerufene "Dekade der Hirnforschung" nähert sich allmählich ihrem Ende, und da liegt es nahe, eine erste Bilanz zu ziehen. Aus philosophischer Sicht fällt diese allerdings weit nüchterner aus, als man sich das wünschen würde."

"Das jahrhundertealte Leib-Seele-Problem der Philosophen hat sich längst zur Frage gewandelt: Läßt sich Bewußtsein erklären? Im Kern geht es gar nicht mehr darum, ob und inwieweit Körper und Seele Substanzen monadischen Charakters sind, also etwas Unteilbares darstellen."

Thomas Metzinger's Beschreibung zum Problem des Bewußtseins

"Eine überzeugende Theorie des Bewußtseins muß begrifflich kohärent sein. Dieser Teil des Projekts fällt eindeutig in den Bereich der Philosophie des Geistes. Dort wird der Begriff 'Bewußtsein' heute nur noch selten im Sinne einer unkörperlichen Substanz oder eines nicht-physischen Individuums interpretiert. Es geht nicht mehr um 'das Bewußtsein', sondern um Bewußtsein im Sinne einer Eigenschaft."

"Die epistemische Asymmetrie ist der moderne Titel für das erkenntnistheoretische Grundproblem. Dieses Problem besteht darin, daß es zwei grundverschiedene Zugangsweisen gibt, durch die wir ein Wissen über Bewußtsein erlangen können: Von innen und von außen, aus der Perspektive der ersten Person und aus der Perspektive der dritten Person. Das Phänomen des Bewußtseins scheint sich nämlich dadurch auszuzeichnen, daß sein jeweiliger Träger einen privilegierten Zugang zu ihm hat. Phänomenales Bewußtsein ist ein subjektives Phänomen. Es fragt sich deshalb, wer die erkenntnistheoretische Autorität über die Tatsachen des Bewußtseins besitzt: Das erlebende Subjekt oder die Wissenschaft, die von außen auf das Phänomen zugreift?"

Zitat des niederländischen Kardiologen Pim van Lommel aus seinem Buch
'Endloses Bewusstsein - neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung'

"Prospektive Studien zu Nahtoderfahrungen kommen alle zu einem gemeinsamen Schluss: In einer Phase der Bewusstlosigkeit sind Bewusstseinserfahrungen möglich, die mit Erinnerung, manchmal auch mit Wahrnehmung verbunden sind. In einer solchen Phase weist das Gehirn keine messbare Aktivität mehr auf und alle Gehirnfunktionen, wie Körperreflexe, Hirnstammreflexe und Atmung sind ausgefallen. Bewusstsein ist offenbar unabhängig vom Gehirn und damit unabhängig vom Körper erfahrbar."

The international Association for Near-Death Studies
Biete eine umfassende Webseite auf wissenschaftlichem Niveau zum Phänomen der Nah-Tod-Erfahrung und der dabei auftretenden Erlebnisse. Es wird eine CD mit vollständiger Bibliographie zum Thema angeboten.

Felix Hasler und seine Kritik an Neuroscans
(Buch: Neuromythologie)

Spiegel-Interview mit Felix Hasler

"Schon allein die schier unglaubliche Neuroplastizität des Gehirns spricht doch gegen die Suche nach klar umrissenen Regionen für komplexe kognitive Funktionen. Denken Sie zum Beispiel an das MRT-Bild eines siebenjährigen Mädchens, dem im Alter von drei Jahren die komplette linke Großhirnhälfte entfernt wurde. Vier Jahre nach dem Eingriff lebt das Mädchen ein ganz normales Leben; zurückgeblieben sind einzig Verkrampfungen der linken Extremitäten. Oder denken Sie an den Fall des Mathematikstudenten mit einem IQ von 126, bei dem per Zufall festgestellt wurde, dass etwa 95 Prozent seines Schädelraumes aus mit Wasser gefüllten Hirnventrikeln besteht."

"Wenn sich die Neurowissenschaft nicht von ihren überzogenen Welterklärungsansprüchen verabschiedet, bekommt sie ein Glaubwürdigkeitsproblem. Besonders die funktionelle Magnetresonanz-Tomografie wird überschätzt. Diese misst Hirnaktivität ja nicht direkt, sondern über ein Stellvertretersignal, eine Veränderung des Blutflusses. Aber schon die Grundannahme einer verstärkten Durchblutung bei neuronaler Aktivierung ist nicht immer erfüllt. Gerade Laien, die nichts von diesen Problemen wissen, sind durch die bunten fMRT-Bilder leicht zu beeindrucken. Man spricht gerne vom Christmas-Tree-Effekt".

Neuromythologie
Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung (S. 76)
Felix Hasler

"Dass Bewußtsein nicht einfach mit Informationsverarbeitung gleich zu setzen ist, belegen zum Beispiel Fälle von Patienten mit Rindenblindheit. Legt man hirnverletzten Patienten mit bestimmten Läsionen in der primären Sehrinde Bilder vor, so versichern diese erwartungsgemäß, wegen ihrer Blindheit nichts erkennen zu können. Werden die Patienten aufgefordert, einfach drauf los zu raten, liegen sie aber mit einer sehr hohen Trefferquote richtig. Bei diesem 'blind sight' genannten Phänomenen werden visuelle Informationen zwar verarbeitet, steigen aber offensichtlich nicht ins Bewusstsein auf. Und auch aus Tononis formal eleganter Theorie läßt sich nicht ableiten, wieso denn eine komplexe neuronale Informationsverarbeitung überhaupt von Erleben begleitet ist. Und erst recht kann die Informations-Integrationstheorie nicht erklären, wie die prinzipiell gleiche Art von Informationsverarbeitung im Gehirn je nach beteiligten Netzwerken zu so vollständig verschiedenen Erlebnisqualitäten führen kann wie Sehen, Hören und Schmecken. David Chalmers 'hard problem' bleibt trotzig stehen wie der Fels in der Brandung."

Felix Hasler

von der Berlin School of mind and brain der Humboldt-Universität

"Was man im Moment feststellen kann, ist eigentlich eine Art Trotzigkeit in der Hirnforschung. ... Man muss einfach noch mehr investieren, noch mehr Milliarden, Riesencomputer, riesige Forschungsunternehmungen, und dann wird man diese Rätsel – die Lösung erzwingen können. ... Das ist natürlich wirklich die Frage, ob das gelingen wird. Im Moment gibt es ja wieder ein neues Wettrüsten zwischen der EU und den USA, weil ja dieses Human Brain Project bekanntermaßen bewilligt wurde und dafür eine Milliarde Euro gesprochen wurden. Und wenige Wochen später hat ja die Administration von Barack Obama gleich gekontert, für das Brain Atlas Project würden auch ... hunderte von Millionen gesprochen."

"Man will einfach mit mehr firepower diesem Geheimnis doch noch auf die Spur kommen. Dann kann man sich auch fragen: Es gibt ja diesen schönen Ausspruch: Wenn man in die falsche Richtung rennt, bringt es nichts, das Tempo zu erhöhen."

Bericht über die Critical Neuroscience Konferenz
an der Berlin School of Mind and Brain
von Isabelle Bareither, Felix Hasler und Anna Strasser

Das Manifest
Spektrum der Wissenschaft
Elf führende Neurowissenschaftler
über Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung

"Verschiedene Methoden ermöglichen einen Einblick in die oberste Organisationsebene des Gehirns: Bildgebende Verfahren wie die Positronenemissionstomografie (PET) und die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT), die den Energiebedarf von Hirnregionen messen, besitzen eine gute räumliche Auflösung, bis in den Millimeterbereich. Zeitlich gesehen hinken sie den Vorgängen allerdings mindestens um Sekunden hinterher. Die klassische Elektroenzephalografie (EEG) dagegen misst die elektrische Aktivität von Nervenzellverbänden quasi in Echtzeit, gibt aber nicht genau Aufschluss über den Ort des Geschehens. Etwas besser – etwa im Zentimeterbereich – liegt die räumliche Auflösung bei der neueren Magnetenzephalografie (MEG), mit der sich die Änderung von Magnetfeldern um elektrisch aktive Neuronenverbände millisekundengenau sichtbar machen lässt."

"Die Beschreibung von Aktivitätszentren mit PET oder fMRI und die Zuordnung dieser Areale zu bestimmten Funktionen oder Tätigkeiten hilft hier kaum weiter. Denn dass sich all das im Gehirn an einer bestimmten Stelle abspielt, stellt noch keine Erklärung im eigentlichen Sinne dar. Denn »wie« das funktioniert, darüber sagen diese Methoden nichts, schließlich messen sie nur sehr indirekt, wo in Haufen von hundert Tausenden von Neuronen etwas mehr Energiebedarf besteht. Das ist in etwa so, als versuchte man die Funktionsweise eines Computers zu ergründen, indem man seinen Stromverbrauch misst, während er verschiedene Aufgaben abarbeitet."

Elf führende deutsche Neurowissenschaftler haben ein Manifest verfaßt (14.10.2004)

"Noch, sagt es, wissen wir fast nichts. Doch in zehn Jahren beherrschen wir das kleine Einmaleins des Gehirns, wir werden Alzheimer und Parkinson, Schizophrenie und Depression besser verstehen und behandeln können. In zwanzig, in dreißig Jahren wird es dann zwischen Geist und Gehirn, Handlungsfreiheit und Aktionspotenzialen keine Widersprüche mehr geben. Sie werden sich einfach aufgelöst haben."

"Das, man ahnt es, kostet viel Geld. Dabei sind nicht einmal die künftigen Konzepte jener "theoretischen Neurobiologie" geboren, von denen sich die Forscher Aufklärung über das Ich erhoffen. Sie soll die klassische Hirnforschung ergänzen wie die Quantenphysik die klassische Mechanik. Eine schöne Idee, eine Revolution aber wird sie kaum heraufbeschwören. Denn mal ehrlich: Wer versteht schon die Quantenphysik?"

Bewusstsein, eine epistemische Grenze der Wissenschaft

von Andreas Blessing

"Es gibt einen naturalistischen Standpunkt, der die Beantwortung des Bewusstseinsproblems als unmöglich betrachtet, aufgrund unseres kognitiven Unvermögens das Phänomen des Bewusstseins zu begreifen, obwohl es sich um ein natürliches Phänomen handle. Dieser Standpunkt wird als antikonstruktiver Naturalismus bezeichnet. Es wird demnach angenommen, dass intelligentere Lebewesen durchaus in der Lage sein könnten, unser Bewusstsein zu erklären, dass uns die Lösung dieses Problems vorenthalten bleiben muss aufgrund der Unfähigkeit unseres Gehirns, sich Selbst zu begreifen."

"McGinn (1991) vertritt diese Form des neuen Mysterianismus, der zwangsläufig aus den Schwierigkeiten, Bewusstsein in ein treffendes Modell zu fassen, erwachsen musste. Wir können die Frage nach der Funktionsweise des Bewusstseins stellen, die kognitive Fähigkeit, sie zu beantworten, besäßen wir leider nicht und befänden uns aufgrund dessen in einer frustrierenden Situation. Insekten besitzen nicht die Fähigkeit, Wissenschaft zu betreiben und die Naturgesetze zu erforschen, dennoch bestehen diese. Sie sind nicht in der Lage, die richtigen Fragen zu stellen, und bemühen sich folglich nicht, Phänomene zu erklären und zu verstehen. Menschen sind nach McGinn in der Lage, die richtigen Fragen zu stellen; in Bezug auf das Bewusstsein sind wir allerdings nicht in der Lage, diese zu beantworten, und unser Drang nach Erkenntnis muss unerfüllt bleiben. Die Tatsache, dass dieser Standpunkt ein naturalistischer ist, insofern er annimmt, dass es sich beim Bewusstsein um ein natürliches Phänomen handelt, ist besonders zu berücksichtigen."

John Eccles – Über den Spalt hinweg

von Dr. Christian Wolf

"Sein philosophisches und wissenschaftliches Interesse am Verhältnis von Gehirn und Geist ließ ihn nicht los. Sein Problem: Er selbst glaubte an einen immateriellen Geist, an ein Selbst, das unabhängig vom materiellen Gehirn existiert. In naturwissenschaftlichen Kreisen herrschte damals wie auch heute jedoch die Haltung vor, dass mentale Vorgänge letztlich nichts anderes seien als materielle Vorgänge im Gehirn. Auch hier ist es wieder Karl Popper, der Eccles weiterhilft. Popper lehrte, die Welt in drei Bereiche zu unterteilen: die physische Welt inklusive des Gehirns, die Welt des Bewusstseins und die Welt der kulturellen Gegenstände wie etwa wissenschaftliche Theorien. Diese drei Bereiche seien zwar unabhängig voneinander, könnten aber kausal auf einander einwirken. Auf dieser Grundlage entwickelten Popper und Eccles in ihrem Buch 'Das Ich und sein Gehirn' eine Variante des so genannten interaktionistischen Dualismus. Der immaterielle Geist sollte unabhängig vom Gehirn existieren, mit diesem aber interagieren."

"Nun schien es aber dem Energieerhaltungssatz zu widersprechen, wenn ein immaterieller Geist quasi aus dem Nichts heraus auf die physikalische Wirklichkeit einwirkt. In seinem letzten Buch 'Wie das Selbst sein Gehirn steuert' versucht Eccles mit Hilfe des Quantenphysikers Friedrich Beck diesem Problem zu begegnen. Bei willentlichen Handlungen etwa, so argumentiert Eccles, erhöhen so genannte Psychone, kleinste mentale Einheiten, quantenphysikalisch die Wahrscheinlichkeit des Feuerns einzelner Neurone."

Dr. phil., Dr. rer. nat. Gerhard Roth

"Die Frage nach dem Wesen und der Funktion von Geist und Bewusstsein beschäftigt die Menschen, seit es Philosophie und Wissenschaften gibt. Traditionell werden Geist und Bewusstsein als etwas angesehen, das sich von den Geschehnissen der materiell-physikalischen Welt wesensmäßig unterscheidet (ontologischer Dualismus); danach entzieht sich Bewusstsein grundsätzlich der Erklärung durch die empirischen Wissenschaften. Für andere werden Bewusstseinszustände unmittelbar von bestimmten Hirnprozessen hervorgebracht und lassen sich auf diese vollständig reduzieren (neurobiologischer Reduktionismus). Für wieder andere entspringt Bewusstsein zwar den Hirnfunktionen, ist jedoch nicht oder nicht vollständig auf sie zurückführbar (Emergentismus). Insbesondere das private Erleben von Bewusstsein (phänomenales Bewusstsein) wird als unüberwindliches Hindernis für eine naturwissenschaftliche Erklärung angesehen. Man spricht hier von einer fundamentalen Erklärungslücke."

Der Wissenschaftapparat

Das Anstellungsverfahren

1. "Bei allen Kommissionen, bei denen ich bisher mitmachte (ca. 2 Dutzend), gab unter den 15-20 Teilnehmern typischerweise ca. 3-4, die überhaupt in der Lage gewesen wären, sich fachlich eine Meinung über die Bewerber zu bilden. Von denen waren dann vielleicht 2-3 auch motiviert genug, das auch zu tun. Unter den anderen gibt es aber mehr als genug, die ganz andere Kriterien haben und ihre Meinung unbedingt durchsetzen wollen."

2. "Es entscheidet ja das hiesige Kollegium der arrivierten Professoren darüber, wer der neue Kollege oder die neue Kollegin wird. Der neue Kollege ist per se in unserem System ein "Fressfeind". Wenn er nämlich (zu) gut ist, nimmt er den arrivierten Professoren schon bald die Hausmittel weg und tut sich an den LOM-Mitteln gütlich. ... Natürlich, sie achten streng darauf, dass eher ein mittelmäßiger Kandidat ohne allzu viel Ehrgeiz die Stelle bekommt. Denn dieser Kandidat wird ihnen vom Gesamtkuchen am wenigsten wegfressen."

Meinung - Thesen - Fakten

1. "Der methodische Schrottberg der da veröffentlicht wird ist unerträglich geworden. 95% eurer Publikationen ist nicht reproduzierbar, egal bei welchem Journal ihr das noch untergebracht habt."

2. "Publish or perish mag alt sein, aber die Zahl der jährlichen Veröffentlichungen ist (zumindest in meiner Disziplin) in den letzten 30 Jahren explodiert! Selbst bei konstanten Zuwachsraten von neuen Journals, Outlets und VÖ findet ja eine exponentielle Zunahme des - ich nenne es mal - "geschriebenen Wissens" statt. Selbst Spezialisten die sich nur in Ihrer kleinen Sparte tummeln verlieren den Überblick."

3. "Die Kommerzialisierung zwingt die Wissenschaftler zunehmend Grundlagenforschung im Anschluss mit angewendeter Forschung zu verbinden. Und genau das ist oftmals der einzige und beste Weg die Grundlagenforschung wieder qualitativ besser zu machen. Denn, irgendein Hypothesenpaper, das ist schnell geschrieben, aber eine Hypothese zu verteidigen, sie auf Herz und Nieren zu überprüfen und in Richtung einer Anwendung zu entwickeln, ist ein hochgradig befruchtender, qualitätssteigernder Prozess! Es wäre ehrlich nicht immer von Kommerzialisierung zu sprechen, sondern treffender von Validierung der eigenen Forschungsergebnisse. Diese Validierung tut nämlich angesichts den gigantischen Haufens von Publikationsschrott dringend not. Wissenschaft schafft heute kaum mehr Wissen, sondern immer stärker Desinformation durch nicht reproduzierbaren Blödsinn."

Fördermittel

Nature Magazine

The United States and Europe are both planning
billion-dollar investments to understand how the brain works

"... on 2 April 2013, Obama announced a US$100-million initial investment to launch the BRAIN Initiative, a research effort expected to eventually cost perhaps ten times that amount. The European Commission has equal ambitions. On 28 January, it announced that it would launch the flagship Human Brain Project with a 2013 budget of €54 million (US$69 million), and contribute to its projected billion-euro funding over the next ten years (see Nature 482, 456–458; 2012)."

"Although the aims of the two projects differ, both are, in effect, bold bids for the neuroscientist's ultimate challenge: to work out exactly how the billions of neurons and trillions of connections, or synapses, in the human brain organize themselves into working neural circuits that allow us to fall in love, go to war, solve mathematical theorems or write poetry. What's more, researchers want to understand the ways in which brain circuitry changes — through the constant growth and retreat of synapses — as life rolls by."

parallel dazu der Bericht von Scilogs

EU

Human Brain Project
USA

BRAIN-Initiative
Association for the Scientific Study of Consciousness

DIE ZEIT (12.03.2015)
Wolfgang Marquardt im Interview mit Ulrich Schnabel

"Als "Flaggschiff" der europäischen Forschung wurde 2013 das Human Brain Project, kurz HBP, gekürt – dann mutierte es zum größten Zankapfel des Wissenschaftsbetriebs. Hunderte von Hirnforschern haben im vergangenen Jahr die Ausrichtung und das Management kritisiert und mit Boykott gedroht. ... Das zeigt nur, dass wir es mit einem Grundsatzstreit zu tun haben: Die einen Neurowissenschaftler sind der Überzeugung, es werde nie gelingen, ein Gehirn künstlich zu simulieren, so wie es sich das Human Brain Project vorgenommen hat; andere dagegen sagen: Lasst es uns versuchen! ... An diesem Groß-Großprojekt nehmen insgesamt rund 120 Institute aus 24 Nationen teil. ... Neben den inhaltlichen Differenzen gab es auch organisatorische Fehler. Entscheidungsprozesse waren nicht transparent, auf der Organisationsebene wurden zu oft inhaltliche und strukturelle Fragen vermischt. ... Hinzu kommt, dass sich auch die Rahmenbedingungen verändert haben. Anfangs hieß es, es gäbe eine Milliarde Euro, tatsächlich gesichert sind jetzt aber nur 440 Millionen über zehn Jahre."

Manifest

Manifest der Neurowissenschaftler - 2004
(wurde einst unter http://www.gehirn-und-geist.de/manifest veröffentlicht)

zeit.de/2014/09: Zum zehnten Jahrestag des Manifests hat eine Gruppe von Neurobiologen, Psychiatern, Psychologen und Philosophen eine Art Gegenmanifest verfasst, ein Memorandum "Reflexive Neurowissenschaft", das scharf mit dem damaligen Papier ins Gericht geht.

Memorandum "Reflexive Neurowissenschaft" - 2014 (pdf)

Projektnetzwerk zur Bewusstseinsforschung (DFG)

15.01.2008
Das bundesweite Projektnetzwerk zur Bewusstseinsforschung, das an sechs deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen angesiedelt ist, wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) seit Januar 2008 mit insgesamt 800.000 Euro für zunächst drei Jahre gefördert.

05.02.2015
Mit 1,9 Millionen Euro förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein deutschlandweites Projektnetzwerk zur Bewusstseinsforschung, in das das Ulmer Projekt eingebettet ist.

Erste-Person-Perspektive
Erste-Person-Ontologie psychischer Gegebenheiten

Personen:
Edmund Husserl, Karl Bühler, Maurice Merlau-Ponty

Ernst Schraube
Associate Professor für Sozialpsychologie der Technik
am Institut für Psychologie und Erziehungswissenschaften der Universität Roskilde
Journal für Psychologie

"Ich beginne dabei mit einer kritischen Analyse der derzeit vorherrschenden Psychologie. In ihr wird üblicherweise aus einer Dritten-Person-Perspektive geforscht. Die Wissenschaftlichkeit des Forschens wird mit der Einnahme einer externen Perspektive gleichgesetzt und die psychologischen Phänomene werden mit einem Blick von außerhalb, mit einem “god-trick”, wie die Wissenschafts- und Technikforscherin Donna Haraway erklärt, und einem “view from above, from nowhere” (1991, S. 195) analysiert. Aus dieser Perspektive kann die menschliche Lebenspraxis nur abstrakt und reduziert zur Sprache kommen. Der Mensch erscheint einseitig, als ein von der Versuchsanordnung bedingtes Wesen, und die konkrete Wirklichkeit menschlicher Subjektivität, die aktiv handelnde Seite menschlicher Lebenspraxis, bleibt ausgeblendet."

"Einer der ersten, der ausdrücklich von der Ersten-Person-Ontologie psychischer Gegebenheiten spricht, ist der ungarische Psychologe George Politzer. 'Die offensichtliche Eigenschaft der psychischen Tatsachen ist', betont er 1928, 'daß sie ‘in der ersten Person’ gegeben sind' (Politzer 1978, S. 61), und er argumentiert für die Psychologie als einer 'Wissenschaft der ersten Person' (ebd., S. 62). 'Entweder man verzichtet auf Psychologie', bemerkt er, 'oder man gibt die Methode der dritten Person auf, wenn man psychologische Tatsachen untersucht. [...] Die klassische Psychologie kennt diese Forderung nicht, und die Psychologen haben nicht bemerkt, daß man die psychologischen Tatsachen zerstört, wenn man ihnen das Ich wegnimmt; daß folglich jede Theorie, die auf dieser Vorgehensweise beruht, nur eine Phantasterei sein kann' (ebd., S. 64)."

"Neben Einzelstimmen, wie jener von Politzer, dessen Werk nach seinem frühen Tod (er wurde 1942 von den Nazis erschossen) weitgehend in Vergessenheit geriet, gibt es drei, auch in heutiger Zeit einflussreiche Denktraditionen, die explizit von der Ersten-Person-Gegebenheit menschlicher Subjektivität ausgehen: Phänomenologie, analytische Philosophie und Kritische Psychologie. Aufgrund der insistierenden Nichtthematisierung der Ersten-Person-Perspektive in der gegenwärtig vorherrschenden Psychologie, stellt sich die Frage, wie diese Ansätze die Erste-Person-Gegebenheit psychischer Phänomene begründen und welche Argumente für deren Annahme vorgebracht werden."

"Die Phänomenologie zeigt, wie die menschliche Erfahrung grundsätzlich in der Ersten-Person-Perspektive gegeben ist. Erfahrung spielt in der Phänomenologie eine zentrale Rolle, weil die unterschiedlichen Phänomene des menschlichen Lebens alleine durch die Erfahrung zugänglich sind. Erfahrungen, betont Husserl, sind grundsätzlich 'meine Erfahrungen' (Husserl 1962, S. 231; s. a. Heidegger 1999, S. 69; Georgi 2009). Ohne ihre Erste-Person-Gegebenheit hört die Erfahrung auf, Erfahrung zu sein. Husserls 'phenomenology', erklärt daher David Carr, 'is not just about experiences, or even about experiences and their objects, but about the first-person standpoint itself' (Carr 1999, S. 77)."

Problematik und inneren Widersprüche des 'Blicks von außerhalb' detailliert ausführen und begründen (etwa Brockmeier, 1998; Bruner 1997; Gergen 1996; Holzkamp 1983, 1993; Stephenson & Papadopoulos 2006; Teo 2005; Tolman 1991 u.v.a.), ..."

Trialismus

Der spätantike Neuplatoniker Proklos arbeitet das Konzept der Trias systematisch aus und macht es zur Grundlage seines ontologischen und kosmologischen Modells.

Auch in De caelo hob Aristoteles hervor, dass die Dreiheit die Zahl des Ganzen ist, weil sie Anfang, Mitte und Ende umfasst. (De caelo, I, 268, a 12 c) https://de.wikipedia.org/wiki/De_caelo.

Eine wichtige Rolle spielt in Hegels Philosophie die aus dem Neuplatonismus stammende Dreiheit Verharren, Hervorgehen und Rückkehr, die er an Proklos’ Lehre anknüpfend als Struktur der konkreten Totalität auffasst. Hegel geht von Proklos’ Verständnis aus, wonach die Dreiheit nicht ein nur formales Gliederungsprinzip ist, sondern ontologische Struktur und dynamische Identität.

Im englischen Sprachraum verwendet man für die Dreierform auch die lateinische Bezeichnung „tripartite“.

Triquetra is a word derived from the Latin tri- ("three") and quetrus ("cornered"). Its original meaning was simply "triangle" and it has been used to refer to various three-cornered shapes. The triquetra is found in a variety of art from the early manuscript period, most notably in illustrated manuscripts like the Book of Kells. The symbol was later used by Christians as a symbol of the Trinity (Father, Son and Holy Spirit). For The Christian (it is The Trinity); For the Jew (It is The Elohim); For The Muslim (It is The Tawhid); For The Hindu (It is The Trimurti); For the Druid (It is the Awen); For The Mage (It is the Kybalion); For the Native American and Shamanic (It is Mother Earth, Father Sky and Grandmother Moon); For The Wiccan It is The Triple Goddess. Das bekannteste Zeichen der Dreieinigkeit ist das Dreieck. Es war schon ein Symbol der Manichäer. Dennoch bleibt es; nur wird versucht, seine neue christliche Bedeutung durch das Einfügen des Auges Gottes zu verstärken; das Auge ist bei vielen Völkern allerdings ein Symbol des Sonnengottes.

Philosophischer Trialismus: Gliederung des Menschen in Leib, Seele und Geist.

naheliegende
Ideologische Prinzipien

Das Rätsel des bewußten Erlebens
Spektrum der Wissenschaft (02/1996)
Dr. David J. Chalmers

"Viele Jahre lang mieden die Hirnforscher und sogar viele Psychologen den Begriff Bewußtsein. Man meinte, Wissenschaft sei auf Objektivität angewiesen und könne sich mit etwas so Subjektivem nicht abgeben. Die Behavioristen, Vertreter einer vor allem in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts mächtigen Strömung in der Psychologie, untersuchten nur extern beobachtbares Verhalten und verbaten sich jede Aussage über interne mentale Prozesse. Mit dem Aufschwung der Kognitionswissenschaften wandte man sich später zwar den Vorgängen im Gehirn zu, aber das Bewußtsein galt weiterhin als unwissenschaftliches Thema – höchstens geeignet für Spekulationen zu später Stunde bei einem Glas Wein."

"Doch seit einigen Jahren widersetzen sich immer mehr Neurowissenschaftler, Psychologen und Philosophen der Ansicht, das Bewußtsein lasse sich nicht ergründen, und suchen in seine Geheimnisse einzudringen. Wie bei einem derart neuen Forschungsgebiet nicht anders zu erwarten, ist rasch eine Vielfalt einander widersprechender Theorien entstanden, wobei Grundbegriffe oft in unvereinbarer Weise gebraucht werden. Um das Durcheinander zu entwirren, sind philosophische Überlegungen unerläßlich."

"Die Ansichten reichen von reduktionistischen Modellen, die voraussetzen, daß Bewußtsein sich mit den gängigen Methoden von Neurowissenschaften und Psychologie erklären lasse, bis zur Position der sogenannten Mysteriker, denen zufolge wir es niemals verstehen werden (Spektrum der Wissenschaft, September 1994, Seite 74). Ich glaube, daß bei genauer Analyse beide Extreme sich als falsch erweisen und daß die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt."

"Gegen den Reduktionismus wende ich ein, daß die durchaus leistungsfähigen Mittel der Neurowissenschaften das bewußte Erleben nicht vollständig darzustellen vermögen. Gegen die Mysteriker behaupte ich, daß das Bewußtsein sich doch durch eine neue Art von Theorie erklären lassen dürfte. Zwar sind uns deren Einzelheiten noch nicht zugänglich, aber über ihre allgemeine Beschaffenheit können uns sorgfältige Überlegung und plausible Schlüsse einiges verraten. Beispielsweise wird sie vermutlich neue fundamentale Gesetze enthalten, und der Begriff Information wird wohl dafür wesentlich sein. Schon die groben Umrisse einer solchen Theorie lassen ahnen, daß sie überraschende Folgen für unser gesamtes Weltbild und das Verständnis unserer selbst haben könnte."

"Gewiß sind die Neurowissenschaften für die Erforschung des Bewußtseins nicht unwichtig. Vielleicht können sie sein neuronales Korrelat enthüllen – das heißt die unmittelbar mit bewußtem Erleben zusammenhängenden Vorgänge im Gehirn; sie könnten sogar eine detaillierte Entsprechung zwischen speziellen Hirnprozessen und gewissen Erfahrungskomponenten angeben. Aber erst wenn wir wissen, warum diese Prozesse überhaupt bewußte Erfahrung hervorbringen, werden wir – nach den Worten des Philosophen Joseph Levine – die Erklärungslücke zwischen physischen Prozessen und Bewußtsein überwunden haben. Um diesen Sprung zu schaffen, ist eine neue Art Theorie nötig."

"Viele glauben, die Physik liefere einen vollständigen Katalog der fundamentalen Eigenschaften und Gesetze des Universums. Der amerikanische Physiker Steven Weinberg nennt in seinem Buch "Dreams of a Final Theory" (auf deutsch 1993 unter dem Titel "Der Traum von der Einheit des Universums" erschienen) als Ziel der Physik eine "theory of everything" ("Theorie über Alles"), aus der sich vollständig herleiten lasse, was man vom Universum wissen kann. Weinberg gibt freilich zu, daß dabei das Bewußtsein problematisch ist: Trotz der Allgemeingültigkeit der theoretischen Physik läßt sich seine Existenz anscheinend nicht aus physikalischen Gesetzen herleiten. Weinberg verteidigt die Physik mit dem Argument, sie werde wohl eines Tages die objektiven (das heißt neuronalen) Korrelate des Bewußtseins erklären – aber selbstverständlich wäre damit das Bewußtsein selbst noch nicht erklärt. Doch wenn seine Existenz sich nicht aus physikalischen Gesetzen herleiten läßt, ist eine physikalische Theorie keine Theorie über wirklich alles. Eine allumfassende Theorie muß eine zusätzliche fundamentale Komponente enthalten."

"Darum schlage ich vor, das bewußte Erleben (conscious experience) als fundamentalen, irreduziblen Wesenszug anzuerkennen. Diese Idee mag zunächst befremden, aber sie scheint mir unumgänglich."

"Zum Beispiel stellte sich im 19. Jahrhundert heraus, daß die elektromagnetischen Phänomene nicht durch bereits bekannte Prinzipien zu erklären waren. Deshalb führte man die elektrische Ladung als neue Grundgröße ein und formulierte neuartige fundamentale Gesetze. Das gleiche sollte für das Bewußtsein gelten: Wenn die vorhandenen Theorien es nicht erfassen können, muß etwas Neues her."

"Zu einer fundamentalen Eigenschaft gehören fundamentale Gesetze. In diesem Falle müssen sie das bewußte Erleben mit Elementen der physikalischen Theorie verbinden. Diese Gesetze werden fast gewiß mit denen der physikalischen Welt nicht in Konflikt geraten; anscheinend bilden letztere ein geschlossenes und selbständiges System. Vielmehr werden die neuen Gesetze, indem sie beschreiben, wie das Erleben von zugrundeliegenden physikalischen Prozessen abhängt, eine Brücke bilden und die Erklärungslücke schließen."

"Somit wird eine vollständige Theorie zwei Komponenten haben: zum einen physikalische Gesetze für das Verhalten physikalischer Systeme von unendlich kleinen bis zu kosmologischen Größenordnungen – und zum andern psychophysikalische Gesetze, die besagen, wie einige dieser Systeme mit bewußtem Erleben assoziiert sind. Erst diese beiden Komponenten zusammen werden eine echte Theorie über Alles bilden."

"Da diese Theorien sich nicht streng überprüfen lassen, werden sie spekulativer sein als die der herkömmlichen Naturwissenschaften. Trotzdem wären sie keineswegs beliebig, denn sie müßten sowohl unsere eigenen – in der ersten Person formulierten – Erlebnisse als auch das Erfahrungsmaterial aus den Berichten anderer exakt wiedergeben. Wenn wir eine Theorie finden, die den Daten besser entspricht als jede andere von gleicher Einfachheit, dann werden wir gute Gründe haben, sie zu akzeptieren. Vorläufig haben wir nicht einmal eine einzige, die zu den Daten paßt, und insofern wären Gedanken zur Überprüfbarkeit verfrüht."

Towards a Scientific Basis for Consciousness
Konferenz an Universität von Arizona in Tucson im April 1994

"Fast so pessimistisch äußerte sich in Tucson der australische Philosoph David J. Chalmers von der Washington-Universität in Saint Louis (Missouri); auch er meinte, keine rein physikalische Theorie – ob sie nun von quantenmechanischen oder neuralen Mechanismen ausgehe – sei imstande, das Bewußtsein zu erklären. Nach Chalmers können physikalische Theorien immer nur mentale Teilfunktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Intention oder Selbstbeobachtung beschreiben, indem diese mit bestimmten physikalischen Prozessen im Gehirn korreliert werden. Doch keine solche Theorie behandle die eigentliche Frage, die durch die Existenz des Geistes aufgeworfen werde: Warum ist die Hirntätigkeit von subjektivem Erleben begleitet? Schließlich könne man sich ohne weiteres eine Welt von Androiden vorstellen, die sich in jeder Hinsicht wie Menschen verhalten – nur daß sie ihre Welt nicht bewußt erleben."

"Auf diese Frage vermöge die Wissenschaft allein keine Antwort zu geben, behauptete Chalmers. Doch im Gegensatz zu McGinn hält er eine übergeordnete philosophische Theorie für möglich und sogar nötig, um die Erklärungslücke zwischen dem physikalischen und dem subjektiven Bereich zu schließen. Chalmers skizzierte sogar schon eine solche Theorie: Wie die Physik der Natur bestimmte Eigenschaften – etwa Raum, Zeit, Energie, Ladung und Masse – zuschreibe, müsse eine Theorie des Bewußtseins die Existenz von Information als einer neuen fundamentalen Eigenschaft postulieren. Der Begriff Information habe nämlich zugleich physikalische und phänomenale (das heißt subjektiv erlebbare) Aspekte."

"Koch fand solche Überlegungen abwegig; denn wenn McGinns und Chalmers These, daß Bewußtsein nicht wissenschaftlich erklärbar sei, sich allgemein durchsetzen würde, bekäme sie den Charakter einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Er räumte zwar ein, daß die Wissenschaft vielleicht nicht alle Rätsel des Geistes zu ergründen vermag, doch hat nach seiner Ansicht die Philosophie noch viel weniger Chancen, dauerhafte Erkenntnisse zum Leib-Seele-Problem oder zur Frage des freien Willens beizutragen. Er schlug vor, die Philosophen sollten angesichts solch ehrwürdiger Rätsel den Rat des österreichischen Denkers Ludwig Wittgenstein (1889 bis 1951) beherzigen, in den dessen 'Tractatus logico-philosophicus' mündet: 'Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.'"

"Doch Schweigen wird keinesfalls das Ergebnis des wachsenden Interesses für das Bewußtsein sein. Nachdem der Vortrag von Chalmers in Tucson mit großer Zustimmung aufgenommen worden war, warf Koch ihm vor, seine Theorie des Doppelaspekts der Information sei nicht überprüfbar und somit nutzlos. 'Warum sagen Sie nicht gleich: Wenn man ein Gehirn hat, kommt der Heilige Geist herab und haucht ihm Bewußtsein ein!' rief Koch. Chalmers erwiderte trocken, eine solche Theorie sei erstens unnötig kompliziert und würde zweitens nicht mit seinem subjektiven Erleben übereinstimmen. 'Aber wie weiß ich denn, daß Ihr subjektives Empfinden dasselbe ist wie meines?', fragte Koch. 'Wie weiß ich überhaupt, ob Sie Bewußtsein haben?'"

Schatten des Geistes. Wege zu einer neuen Physik des Bewußtseins
Original von Sir Roger Penrose
Aus dem Englischen von Anita Ehlers. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1995.

"Es gibt im Gehirn physikalische Prozesse, die zu Bewußtsein führen, aber sie lassen sich rechnerisch nicht angemessen simulieren. Die Simulierung dieser physikalischen Vorgänge erfordert eine neue Physik."

"Da Penrose einerseits davon ausgeht, der menschliche Geist sei ein Resultat physikalischer Vorgänge, andererseits im ersten Teil gezeigt hat, daß dieser Geist nicht berechenbar ist, muß er folgerichtig im zweiten Teil einen Ansatzpunkt für nicht berechenbare Vorgänge innerhalb der Physik finden. Das ist nicht leicht und innerhalb der klassischen Physik von vornherein aussichtslos; Penrose sucht also gleich innerhalb der Quantenmechanik."

"Schließlich kommt Penrose auf die Vorgänge im Gehirn zu sprechen. Lassen sie sich im Rahmen einer im wesentlichen klassischen Physik verstehen, oder könnten hier Quanteneffekte einen makroskopischen Einfluß haben? Penrose meint, Quantenkohärenz in Mikrotubuli, winzigen Röhrchen im Zellskelett, wirkten wesentlich auf die Steuerung der synaptischen Verbindungen im Gehirn ein."

"Nach seiner Vorstellung macht sich unser Gehirn eine Physik zunutze, die heutige Physiker noch gar nicht kennen. In ihr findet die Reduktion des Zustandsvektors nicht mehr behelfsmäßig durch ein nicht-rechnerisches physikalisches System statt; vielmehr gibt es eine neue Vorschrift dafür, die Quantenmechanik und klassische Physik verbindet."

Zwischen Wissenschaft und Spiritualität
Spektrum Wissenschaft - 12/2009

"Die interessanteste Beobachtung ist für van Lommel, dass Menschen über einen erweiterten Bewusstseinszustand berichteten, obwohl in ihrem Gehirn keine Aktivität registriert wurde. Ungeachtet der Tatsache, dass der Zusammenhang zwischen Gehirn und Bewusstsein bislang ungeklärt ist, dominiert die naturwissenschaftliche Auffassung, dass Bewusstsein durch Hirnaktivität entsteht. Damit sind Nahtoderlebnisse im Rahmen des aktuellen medizinischen Wissensstandes nicht zu erklären. Van Lommel berücksichtigt in seinem Buch die zahlreichen materialistisch-orientierten Erklärungsversuche für Nahtoderfahrungen und kommentiert sie im Rahmen seiner Idee eines nicht-lokalen endlosen Bewusstseins. Er nimmt an, dass das Bewusstsein allgegenwärtig sei und keine materielle Grundlage besäße. Es existiere bereits vor der Geburt eines Menschen und bestehe auch nach seinem Tode fort. In ihm flössen Gefühle und Gedanken aller Menschen ein. Das Gehirn ermögliche in der Regel nur Wachbewusstsein, so dass wir nur Zugang zu dem Teil haben, den wir als unser Ich erleben. Damit fungiere unser Hirn als "eine Art Empfangsmodul des Bewusstseins". Van Lommel sieht seine These von einem nicht-lokalen Bewusstsein durch Erkenntnisse der Quantenphysik gestützt. Auch übersinnliche Phänomene, eigentlich fest in esoterischer Hand, wie Telepathie, Telekinese und Teleportation zieht er auf Basis seiner Idee eines endlosen Bewusstseins heran."

"Mit diesen Annahmen bewegt er sich auf einem sehr schmalen Grat. Seine Publikation über NTE hat auch in wissenschaftlichen Kreisen für Aufsehen gesorgt und eine heftige Kontroverse entfacht. Van Lommel reagiert in seinem Buch mit einer deutlichen Kritik an der vorherrschenden materialistisch geprägten naturwissenschaftlichen Anschauung und einem Aufruf an die Forschung, sich eine offene Geisteshaltung und Neugierde – auch für anormale Phänomene – zu bewahren."

Maßstäbe zur Unterscheidung von
Physiologie und Bewußtsein

Bücher

Max Wentscher: Über physische und psychische Kausalität und das Prinzip des psycho-physischen Parallelismus. Leipzig: Barth 1896

Heinrich Rickert: Psychophysische Causalität und psychophysischer Parallelismus. Tübingen: Mohr 1900

Wilhelm Wundt: Kleine Schriften, Bd. 2, Abschnitt II: Das Prinzip des psychophsikalischen Parallellismus, Leizig 1911

Rudolf Eisler: Leib und Seele. Darstellung und Kritik der neueren Theorien des Verhältnisses zwischen physischem und psychischem Dasein. Leipzig: Barth 1906

Robert Reininger: Das psychophysische Problem. Eine erkenntnistheoretische Untersuchung zur Unterscheidung des Physischen und Psychischen überhaupt. Wien: Wilhelm Braumüller 1916, 2. Aufl. 1930

Franz Brentano: Untersuchungen zur Sinnesphysiologie. Hrsg. von Roderick M. Chisholm und Reinhard Fabian. 2. Aufl. Philosophische Bibliothek Band 315. Meiner, Hamburg 1979

Franz Brentano: Untersuchungen zur Sinnespsychologie. Leipzig 1907

der Dialog(istische Prozeß):
denken - etwas im Sinn haben

Differenzierung der (er)sichtlichen Wahrnehmung

"Wir konnten zeigen, dass die Tiere uns erkennen. Angenommen, ich bin eine Taube, und Sie, Frau Wüstenhagen, sind die Person, die mich immer füttert. Sie, Herr Lebert, tauchen genauso häufig auf wie Frau Wüstenhagen, aber Sie stehen immer nur dumm herum und füttern mich nicht. Wenn Sie dann reinkommen, tue ich nichts, und wenn Frau Wüstenhagen reinkommt, bin ich ganz aufgeregt. Tauben erkennen also Individuen. Wenn wir ihnen aber Fotos der Personen zeigen, reagieren sie gar nicht. Die Übertragung auf das zweidimensionale Bild scheint nicht zu funktionieren. Sehen und verstehen sind sehr unterschiedliche Dinge."

genetische Vererbung - mentale Entitäten

generelle Info's

Wege zu einer Psychologie ohne Seele:
von Kant bis zur Gegenwart

Was macht Bewußtsein zu einem Rätsel?
von Peter Bieri
Spektrum der Wissenschaft

Denken Tiere?
Information Philosophie

"Empirische Wissenschaften wie die Entwicklungspsychologie, die Anthropologie und die Ethologie betrachten nichtsprachliche Lebewesen (Kleinkinder, frühe Hominiden, Tiere) zunehmend als denkende Wesen. Es scheint, als würden diese Wissenschaften geradezu nach einem ausgearbeiteten und nicht in erster Linie in Analogie zur Sprache gebildeten Konzept des nichtsprachlichen Denkens verlangen (Bermúdez 2003). Insbesondere die kognitive Ethologie, d. i. die Erforschung der Informationsverarbeitung, der Denkprozesse, der Überzeugungen und des Bewusstseins von nicht-menschlichen Tieren, macht solche Grundlagenreflexionen erforderlich (Allen & Bekoff 1997)."

Jörg Lenau
Galmerstr. 36
65549 Limburg/Lahn
Tel/SMS: 0171-3309037
www.sya.de
Email
» Dialoge über die Substanz Bewußtsein «
Externe öffentliche Dialoge