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 Bewußtsein versus Geist/Physik 

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Amenz
amentielles Syndrom

Amentielles Syndrom
und Verstandeswesen im Gegenwartsgefüge

Veröffentlicht im Journal
Leuchtfeuer Ausgabe 16 - 2013

Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Rheinland-Pfalz e.V.

Die Demenz kennt jeder, aber die Amenz keiner? Den Begriff trifft man noch in lexikalischen Werken an, aber es findet sich niemand, wer dazu Informationen liefern kann, weder was es damit auf sich hat, noch warum man dieses Sachverhältnis antrifft. Anscheinend war es einst Bestandteil von Diagnose und Behandlung, ist jedoch im Laufe der Zeit in der Senke verschwunden.

"Ein amentielles Syndrom (lat. Amentiä) ist eine akute haluzinatorische Verwirrtheit mit Desorientiertheit, Ratlosigkeit, ilusionärer Verkennung der Wirklichkeit und zusammenhanglosem Denken. Es tritt als Begleiterscheinung bei Gehirnschädigungen und körperlich begründbaren Psychosen, beispielsweise beim Alkoholdelir auf."

So lautet die Spezifikation. Diese geht jedoch von dem Selbstverständnis aus, daß jeder Mensch veranlagungsbedingt Verstand besitzt, was die Voraussetzung dafür ist, zusammenhängend und logisch denken und darüber beurteilen und somit darüber wiederum auch eigenständig entscheiden zu können. Der Verstand basiert jedoch auf der Fähigkeit, sich das Sein verständlich zu machen, sodaß man es darin prinzipiell mit einer graduellen Präsenz zu tun hat, welche erst einmal entsprechend eines Wissensschatzes gebildet werden muß. Erschwerend kommt noch hinzu, daß man zwar allgemein um das Verhältnis von Wissen weiß, jedoch kaum ein Verständnis darüber existiert, wie das Verstandeswesen funktioniert, sodaß dieser umfängliche Sachverhalt wohl in erster Linie einer allgemeingültigen Anwendung in Diagnose und Behandlung im Wege steht.

Was kann man somit gegenwärtig tun, wenn man selbst davon betroffen ist? Diesbezüglich gibt es nämlich zweierlei Betroffene, einerseits Diejenigen, welche unter dieser Störung aus ihrer selbst heraus leiden und andererseits Diejenigen, welche über die gemeinschaftliche Verbundenheit mit Jemandem, welcher unter dieser Störung leidet, anhänglich darunter zu leiden haben. Wie mir meine langjährige Erfahrung damit aufzeigt, wissen die meisten der unter dieser Störung Leidenden sehr wohl um ihrer Behinderung teils bewusst, teils unbewusst und auch wie damit umzugehen ist, genau so, wie man es bei anderen Behinderten antrifft, sodaß maßgeblich die mit diesen Personen verbundenen die eigentlichen Betroffen sind, weil es sich diesen, wenn überhaupt, dann nur kausal ergibt. Gerade bei diesen trifft man jedoch fast ausschließlich auf ein Unbewusstsein über diese Gegebenheit, sodaß sich darüber eine Art von 'ausbreitender Ansteckung' ergibt und zu völlig chaotischen Lebensverhältnissen fuhren kann, die ohne das Bewusstsein über das Sachverhältnis gar nicht deregulierbar sind. Besonders gravierend wird dies in Rechts- und Geschäftsverhältnissen, wie generell in Verhältnissen, wo an dieser Störung primär Leidende Maßstab und zentraler Inhalt des gemeinschaftlichen Miteinander sind. Man kann als sekundär Betroffener den Sachverhalt noch nicht einmal als solchen deklarieren und diesem Externas gegenüberstellen, was ein absolutes Dilemma darstellt.

Als Betroffener befindet man sich somit gegenwärtig in einem Teufelskreis, dem als solches nichts anderes entgegen gesetzt werden kann, als die Erforderung auf Änderung dieses Sachverhaltes auszusprechen. Es bedarf in erster Linie des bewusst machens dessen zur Förderung wie auch Einforderung des Dialoges darüber und ich hoffe, dass diese Veröffentlichung dazu beitragen kann. In erster Linie sind dazu die sekundär Betroffenen aufgerufen, um sich des Sachverhaltes bewusst zu werden und sich miteinander zu koordinieren Es fehlt nämlich vor allem an Informationsquellen, welche den Sachverhalt aufzeigen. Gerade diese Lücke gilt es zunächst einmal, durch ein entsprechendes Breitenspektrum auszufüllen.

Das Bewusstsein über den Sachverhalt kann man sich nämlich sehr wohl auch als Laie verschaffen, indem man sich die Verhältnismäßigkeit von Wissen und Verstand über das Nebeneinanderstellen dessen systematisch bewußt macht. Der größte Teil des Seins ist einzig über das Verständnis fassbar, sodaß man darüber prinzipiell damit konfrontiert ist. Über das Nebeneinanderstellen und Differenzieren der Inhaltlichkeit kann man vor allem aber auch die unter dieser Störung primär, wie sekundär Leidenden nachvollziehen, worüber der Umgang damit kalkulierbar(er) wird Wenn man zusätzlich noch den Sachverhalt einbezieht, daß unsere Wahrnehmung, wie auch unsere Kommunikation generell einzig Informationen in Form von Wissen vermitteln, kann man sich nach und nach ein relativ eindeutiges Sachverhältnis verschaffen, worüber dies dann auch anderen vermittelt werden kann und der Umgang damit sich auch als Ganzes ändert.


Wie ich erlebe, gibt es ein sehr breites Spektrum an Unverständnis mit einem damit verbundenen Sachstand, daß es Menschen gibt, die keinen Verstand besitzen und darunter auch der größte Teil dazu nicht fähig ist, welchen zu bilden. Einst hatte man zumindest einmal unter der medizinischen Deklaration 'Amenz' eine derartiges Krankheitsbild gehändelt. Leider hat wohl auch dies, weil es nur in Deutschland stattfand, nicht seinen Weg in die 'Internationale Klassifikation der Krankheiten' der WHO geschafft, sodaß es seitdem dem Anschein erweckt, daß dieser Sachstand nicht mehr existiert.

Jörg Lenau
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